Ella Bergmann-Michel und Robert Michel – Ein Künstlerpaar der Moderne


26. Mai 2018 – 02. September 2018
Sprengel Museum HannoverSprengel Museum Hannover
Ella Bergmann-Michel (Paderborn 1895 – 1971 Vockenhausen) und Robert Michel (Vockenhausen 1897 – 1983 Titisee-Neustadt) zählen zu Unrecht zu den weniger bekannten Künstlern der avantgardistischen Moderne. Die Bilder und Collagen beider Künstler sind eine Synthese aus expressiven und dadaistischen Ansätzen sowie konstruktiven Tendenzen. Darüber hinaus beschäftigten sich beide mit den neuen Medien ihrer Zeit: Typografie, Leuchtreklame, Fotografie und Film.

Das Künstlerpaar lernte sich 1917 während des Studiums an der Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule in Weimar in der Zeichenklasse kennen. Aus Opposition gegen die akademischen Ausbildungsmethoden verließen sie im folgenden Jahr die Akademie und bezogen ein eigenes Atelier in Weimar. Zu den Kommilitonen Karl-Peter Röhl und Johannes Molzahn hielten sie weiterhin engen Kontakt und knüpften Beziehungen zum neu gegründeten Bauhaus. 1920 erfolgte der Umzug der Familie nach Vockenhausen im Taunus, wo bis zuletzt ihr Wohnsitz bleiben sollte.

Zu Beginn der 1920er-Jahre gab es erste Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in der Kestner Gesellschaft und Galerie von Garvens in Hannover, dem Kunstverein Leipzig, dem Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden und der Galerie Nierendorf in Köln und Berlin. Seit 1921 waren sie eng mit Kurt Schwitters befreundet, man unternahm gemeinsame Reisen (1927 nach Holland, wo sie Kontakte zu Mart Stam, Hannah Höch, Piet Zwart aufbauten) und beteiligte sich gemeinsam an Ausstellungen und Projekten. Durch Schwitters‘ Vermittlung nahmen sie an Wanderausstellungen der Société Anonyme durch die USA teil. Um 1925/1927 besuchte Schwitters die Familie Michels häufig im Taunus. 1927 gründeten sie dort, u. a. zusammen mit László Moholy-Nagy, Carl Buchheister und Jan Tschichold die Interessengemeinschaft „ring neuer werbegestalter“.

Ab Mitte der 1920er-Jahre beschäftigte sich Robert Michel verstärkt mit Architekturgestaltung, Lichtreklame, Typografie und Werbung. 1928 nahm Ella Bergmann-Michel Kontakt zu dem sich entwickelnden Bund „das neue frankfurt“ auf.  Ab 1929 betrieb sie ein eigenes Atelier in Frankfurt für Werbegrafik und Reklamefotografie, setzte sich mit experimentellem Film auseinander und leitete ab 1930 gemeinsam mit Paul Seligmann die „Arbeitsgemeinschaft für neuen Film/Liga für unabhängigen Film“.

Während der nationalsozialistischen Zeit und des Zweiten Weltkriegs reduzierten beide ihre künstlerischen Aktivitäten, Robert Michel nahm erst 1954 seine künstlerische Arbeit mit Zeichnungen und Collagen wieder auf. Ella Bergmann-Michel arbeitete vor allem zeichnerisch weiter, durchaus in kritischer Auseinandersetzung mit der „dunklen Zeit“. In der Nachkriegszeit wurden beide als „Pioniere der Bildcollage“ wiederentdeckt, zahlreiche wichtige Ausstellungen folgten.

Der künstlerische Nachlass von Robert Michel und Ella Bergmann-Michel mit insgesamt weit über 2.000 Collagen, Zeichnungen, Skizzen, Entwürfen für Reklame und Typografie befindet sich als Dauerleihgabe im Sprengel Museum Hannover. 1988 wurde als Schenkung der Familie der dokumentarische Nachlass als Archiv Robert Michel/Ella Bergmann-Michel dem Sprengel Museum Hannover übereignet. Die Ausstellung des Künstlerpaares im Sprengel Museum Hannover schöpft aus diesem enormen Fundus, gezielt ergänzt um Leihgaben und eingebettet in die künstlerische Avantgarde der Weimarer Zeit.

Es erscheint ein Katalog.


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