Jochen Lempert


29. November 2017 – 18. Februar 2018
Sprengel Museum HannoverSprengel Museum Hannover
Die sich in Ausstellungsräumen und Büchern entfaltenden Bildkosmen des Fotografen Jochen Lempert berichten auf ungewöhnlich poetische Weise vom Miteinander unterschiedlicher Lebensformen. Zugleich sind sie komplexe Auseinandersetzungen an den Schnittstellen zwischen Fotografie- und Wissenschaftsgeschichte.

Jochen Lempert (*1958, lebt in Hamburg) studierte Biologie und arbeitete in den ausgehenden 1980er-Jahren gemeinsam mit Künstlerkollegen an Experimenten zur Vergänglichkeit filmischen Materials. Seit inzwischen mehr als 25 Jahren untersucht er mittels der Fotografie – und parallel zu einer fortgesetzten Arbeit als Biologe – die wechselseitigen Beeinflussungen menschlicher, tierischer, pflanzlicher und mikroorganischer Lebensformen und die Möglichkeiten, diese abzubilden.

Dabei greift er häufig auf fotografische Verfahren zurück, die in der Wissenschaftsfotografie des 19. Jahrhunderts zur Anwendung kamen, sich in jenen Jahren auch bei Amateuren großer Beliebtheit erfreuten und in der surrealistischen Fotografie im Sinne der Subversion des Faktischen wieder aufgenommen wurden.

So sehr er damit einerseits jenseits einer technisch hoch aufgerüsteten Fotografie steht, so sehr ist er andererseits strengstens der fotografischen ‚Spur‘ verpflichtet. Fotografie ist schlicht Dokumentationsmedium von Bewegung und Veränderung und dient der Rekonstruktion, Entwicklung und Demonstration von Zusammenhängen.

Im Lempert‘schen Werk setzt sie eine hohe visuelle Poesie frei. Mit und ohne Kamera macht er Bilder von Pflanzen, Tieren und Erscheinungsformen der Elemente, von städtischen Situationen und zivilisatorischem Inventar. Die Bilder existieren als luftgetrocknete und daher häufig leicht wellige, zumeist rahmenlos präsentierte, schwarzweiße Barytpapiere. Ihre Korrespondenzen legen Spuren in biologische und kulturhistorisch- zivilisatorische Fragestellungen: Die formale Analogie, die etwa das Bildpaar ‚Belladonna‘ zwischen dem Auge des Eichhörnchens und der Frucht der Tollkirsche ins Bild setzt – was schwingt hier mit an Möglichkeiten zwischen dem Tier, der Pflanze und den Blicken der Betrachtenden?


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