Merzbild 29A. Bild mit Drehrad, 1920 und 1940

Assemblage, Öl, diverse Materialien auf Pappe, Holz, Papier, 85,8 x 106,8 cm, 93 x 113,5 x 17 cm (Kastenrahmen)

Das Merzbild 29A. Bild mit Drehrad, das Kurt Schwitters mit in die Emigration nach Norwegen nahm, wurde dort zwanzig Jahre nach seiner Entstehung von ihm erneut bearbeitet und erhielt dabei den jetzigen Kastenrahmen. Viele der helleren Übermalungen scheinen dieser 'Restaurierung' zu entstammen; der für die frühen Werke so typische dunkle Farbklang von Blau und Grün ist jedoch noch erkennbar.

Die Komposition der Assemblage ist bestimmt von senkrechten und waagerechten Linien; potentielle Bewegung entsteht nicht wie beim Merzbild Einunddreissig (vgl. "Merzbild Einunddreissig") indirekt durch eine radiale Anordnung, sondern 'real' durch eingefügte (Zahn-)räder. Diese erscheinen, abweichend von früheren Werken, weniger als Symbole einer technisierten Moderne, sondern, ironisch-skeptisch gewendet, als Relikte einer vergangenen bäuerlichen Lebenswelt und hinterfragten Fortschrittsgläubigkeit. Eine Kette und ein Holzstab stellen das Getriebe still.

Auf der Rückseite gibt Schwitters eine "Gebrauchsanweisung" für den Umgang mit dem Drehrad, die weniger als politische Anspielung zu verstehen ist (wie in der Literatur geschehen), sondern vielmehr als vorbeugende Schutzmaßnahme gegen erneute Beschädigung: "Das Drehrad darf von der Stellung, daß die Mitte senkrecht nach unten zeigt nur nach rechts gedreht werden, bis die rechte Speiche senkrecht aufwärts weist. Es ist verboten, das Rad nach links zu drehen."