Merzbild Einunddreissig, 1920

Assemblage, Öl auf Papier, Holz, Metall, Stoff, Watte, Karton, Holzrahmen, 98 x 66 cm

Das Merzbild Einunddreissig ist eines der Hauptwerke aus der Frühzeit von 'Merz', der von Kurt Schwitters seit 1918 entwickelten ureigensten Kunstform und -theorie. Den Begriff (laut Schwitters die zweite Silbe von 'Kommerz') wählt er fortan zur Bezeichnung seiner umfassenden Aktivitäten als Künstler, Autor, Werbegrafiker und Verleger.

In seinem programmatischen Text "Die Merzmalerei" definiert er: "Die Bilder Merzmalerei sind abstrakte Kunstwerke. Das Wort Merz bedeutet wesentlich die Zusammenfassung aller erdenklichen Materialien für künstlerische Zwecke und technisch die prinzipiell gleiche Wertung der einzelnen Materialien. Die Merzmalerei bedient sich also nicht nur der Farbe und der Leinwand, des Pinsels, der Palette, sondern aller vom Auge wahrnehmbarer Materialien und aller erforderlichen Werkzeuge. [...] Der Künstler schafft durch Wahl, Verteilung und Entformung der Materialien." (Lach 5, S. 37)

Am Merzbild Einunddreissig wird das beschriebene Verfahren des Künstlers anschaulich: Schwitters integriert die heterogenen, 'kunstfremden' Materialien durch stellenweise Übermalungen in einem Maße, daß eine geschlossene Komposition entsteht. Die Transparenz der Schichten und die weiße Farbe erzeugen den Eindruck einer inneren Lichtquelle. Vom Zentrum ausstrahlende, spitzwinklige Formen scheinen die Bildfläche in eine rotierende Dynamik zu versetzen. Trotz der radikalen Erweiterung der bildnerischen Möglichkeiten bleiben bei Schwitters traditionelle Faktoren wie Ausgewogenheit der Komposition, Tiefenräumlichkeit, Bewegung oder Lichtgebung zentrale Kriterien seiner Kunst.