Ohne Titel (Madonna oder
High Red Spot, Low Mushroom Column), 1943/1945

Skulptur, Öl, Wellpappe, Gips, vermutlich Holz, 57,8 x 13,3 x 15,6 cm

Von Schwitters' plastischem Œuvre sind vorwiegend Arbeiten aus den späteren Schaffensjahren im Exil erhalten, da der Merzbau und die in ihm integrierten Skulpturen 1943 im Krieg verbrannten. Ein erhaltenes Foto zeigt, daß es schon im Hannoveraner Merzbau eine ähnliche "Madonna" gegeben hat, an die sich Schwitters, womöglich inspiriert durch die Form eines Fundstücks, in England später erinnert haben mag.

Die schlanke Plastik aus bemaltem Gips läßt, je nach Blickwinkel, die anmutig geneigte Kopfhaltung alter Madonnendarstellungen assoziieren. Ausgangspunkt war vermutlich die hölzerne Armlehne eines Stuhles, die Schwitters aufrecht auf einen kleinen Sockel montiert hat. Die neutrale weiße Fassung, innerhalb der eine reinbunte Bemalung nur einzelne Flächen akzentuiert, enthebt den Gegenstand seinem ehemaligen Kontext und läßt ihn, nicht zuletzt aufgrund des Titels, zu etwas völlig Neuem werden.

Ähnlich wie Max Ernst oder Picasso besitzt Kurt Schwitters die künstlerische Fähigkeit, in banalen, wertlosen Alltagsgegenständen über ihre ursprüngliche Funktion hinaus andere, formale Qualitäten zu entdecken und sie durch wenige verfremdende Eingriffe zu verwandeln.