Bjørn Melhus. SPECTRAL AFTERLIVES


29. Mai 2019 – 05. Januar 2020
Sprengel Museum HannoverSprengel Museum Hannover

Die Ausstellung findet anlässlich des Erscheinens des 74. Bandes der von der Stiftung Niedersachsen herausgegebenen Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“ statt.  Das Buch „Bjørn Melhus. Geisterhaftes Nachleben.

Bjørn Melhus und seine medialen Doppelgänger mit einem Essay von

Elisabeth Bronfen, zahlreichen Abbildungen und einer umfangreichen Analyse der Filme, Videos und Installationen von Bjørn Melhus ist für 19,80 € im Buchladen im Museums erhältlich. 

Spectral Afterlives - Geisterhaftes Nachleben: der Titel des Buches ist auch der Titel der Ausstellung. Diese Geister, die heraufbeschworen werden, sie entstammen der Medienwirklichkeit unserer Zeit: Klassiker der Filmgeschichte ebenso wie Talkshows oder Youtube -Videos. Es sind die Figuren, Protagonisten und Stereotypen dieser Medienwelt, die uns täglich umgibt und unser kulturelles Gedächtnis prägt.

Für Melhus ist es vor allem das US-amerikanische Kino, die Hollywoodfilme und die Pop-Kultur. So begegnen wir in seinen Filmen und Videos den unterschiedlichen Protagonisten: einem Schlumpf in BLUE MOON, der mit der Stimme von Elvis Presley den Mond ansingt, oder Little Jimmy mit der Stimme von James Dean aus East of Eden in AUTO CENTER DRIVE. Allesamt können Sie diesen Wesen oder Geistern in den hier gezeigten Filmen und Videos begegnen - von der frühen Arbeit ZAUBERGLAS (1991), WEIT WEIT WEG (1995), BLUE MOON (1997/1998), THE ORAL THING (2001) und   AUTO CENTER DRIVE (2003).

Verkörpert werden sie durch den Künstler selbst, er ist sein eigener Protagonist. Er wird zum medialen Doppel- oder geisterhaften Wiedergänger, wie es Elisabeth Bronfen beschreibt, perfekt synchronisiert werden ihm bekannte Stimmen und Worte der Hollywoodhelden in den Mund gelegt. Mediale Doppelgänger, die aus verschiedenen Erzählperspektiven und Rollen ein Bild unserer Gegenwart entwerfen und dabei nachhaltige, bisweilen sehr ironische und absurde Bilder und groteske Narrationen entwickeln, die sich mit Themen von Identitätssuche, Heimat, Krieg und Tod auseinandersetzen.

Die neue Arbeit THE END TIME wurde durch das Buch motiviert. Die Aufnahmen zu der neuen Video-Installation gab es schon. Sie sind bei der Arbeit zu dem Film von Björn Melhus MOON OVER DA NANG (2016/ 2017) entstanden.  Der Film spielt in Vietnam. Da Nang ist die viertgrößte Stadt Vietnams. Dort landeten 1965 am sogenannten „China Beach“ die ersten US-Kampftruppen zu Beginn des Vietnamkrieges.

Die Kunstfigur „Dorothy“ - sie bildet den Mittepunkt der neuen 4- Kanal- Video-Installation - wurde schon damals im vietnamesischen Dschungel abgefilmt. Diese Aufnahmen bilden die Grundlage der eher abstrakten Bildfolge von THE END TIME. 

Diese von Melhus in dem Film WEIT WEIT WEG bereits eingeführte Kunstfigur ist in Anlehnung an die von July Garland gespielte Heldin der US-amerikanischen Verfilmung The Wizard of Oz  (1939) entstanden, sie ist auch die zentrale Figur in der Analyse von Elisabeth Bronfen.

In traumartigen Episoden rezitiert „Dorothy“ Tonzitate aus dem Film The Wizard of Oz  und der Fernsehserie China Beach  (1988-1991) vor dem Hintergrund des zentralvietnamesischen Dschungels und in Opposition zu einem übermächtigen Mond, der irgendwie diese Szene zu beeinflussen scheint.

Es lassen sich zahlreiche Referenzen entdecken:

Die Mondladung 1969 und der Vietnamkrieg (1955 – 1975), Ereignisse, die ein weltweites Medienecho hatten. Sie hören z. B. die Hubschrauber aus dem Film Apokalypse Now  (1979) in der Installation.

Die US-amerikanische Popkultur, aber auch zahlreiche mediale Erzählungen haben Fragmente und Motive aus The Wizard of Oz immer wieder zitiert; so wurde der Ho-Chi-Minh-Pfad auch als „Yellow Brick Road“ (gelbe Backsteinstraße), die durch das Zauberland Oz führte, bezeichnet - hier ein gelber Fluss.

Auch in der von dem Vietnamveteran William Broyle Jr. entwickelten Fernsehserie China Beach (1988 – 1991) finden sich Referenzen zum Wizard of Oz. In THE END TIME intoniert die Protagonistin „Dorothy“ wiederholt den Song aus der Serie China Beach: Don´t sit under the apple tree, with anyone else but me, until I`m marching home. Diese sehnsuchtsvoll melancholische Zeile zitiert wiederum den 1942 von Glenn Miller und den Andrew Sisters populär gewordenen Song, der vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges als eine Aufforderung zu verstehen ist, auf die Kriegsheimkehrer zu warten.

Doch für „Dorothy“ scheint es kein Entrinnen zu geben, sie ist gefangen im „Ende der Zeit“, sozusagen im Endlos-Loop der Videobilder.  Und es stellt sich die Frage, oder besser, Björn Melhus wirft die Frage auf, was passiert, wenn der Ausnahmezustand „THE END TIME“ zum Normalzustand wird und eine Heimkehr bzw. Rückkehr verstellt ist?

 

Bjørn Melhus studierte in den 1990er-Jahren an der HBK Braunschweig und erhielt 2001 den Sprengel-Preis für bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Seit 2003 lehrt er als Professor für Bildende Kunst / Virtuelle Realitäten an der Kunsthochschule in Kassel. 


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