Neue Publikation zu Kurt Schwitters


Isabel Schulz "Kurt Schwitters. Merzkunst"

Kurt Schwitters (Hannover 1887–1948 Kendal) zählt als bildender Künstler wie als Autor zu den einflussreichsten Protagonisten der europäischen Avantgarden. 1919 bestimmte er die Silbe „Merz“ zur Wortmarke seiner Ein-Mann-Bewegung. Der „Merzkunst“ hat Isabel Schulz, Leiterin des Kurt Schwitters Archivs im Sprengel Museum Hannover und ausgewiesene Kennerin der Materie, nun eine einführende Monografie gewidmet. Das handliche, optisch ansprechende Buch richtet sich an eine breite Leserschaft und ist so wenig „kunsthistorisch“ wie möglich geschrieben. Es schöpft aus dem reichen Bestand des aktuell erforschten Künstlernachlasses und bietet auf der Basis neuester Forschungsergebnisse einen kompakten Überblick über sämtliche Bereiche von Schwitters‘ breit gefächertem Schaffen nach 1918.

Schwitters gehörte zu den internationalen Künstlern, die zwischen den beiden Weltkriegen nach neuen, zeitgemäßen Ausdrucksformen in allen Bereichen der Gestaltung suchten. Mit seiner Merzkunst, die aus kunstfremden Materialien komponiert ist, hat er einen besonderen und einflussreichen Beitrag dazu geleistet. Das Buch stellt die wichtigsten Werke seines bildnerischen, literarischen und typografischen Schaffens vor: angefangen beim Merzgedicht Nr. 1 „An Anna Blume“ über die kleinteiligen Collagen, die genagelten Merzbilder und die permanent wachsenden Merzbauten bis zu diversen Produkten der Merz Werbezentrale. Dabei kommen auch weniger bekannte Aspekte zur Sprache wie die „i-Kunst“, eine Sonderform von Merz, die Merzbühne oder Schwitters‘ Wirken als Sammler und Vortragskünstler. Schwitters‘ Arbeiten aus vermeintlich wertlosen, banalen Dingen und Worten schockierten das Publikum, denn sie stellten gültige ästhetische Kategorien und konventionelle Sichtweisen infrage. Das Buch erläutert die Voraussetzungen und Intentionen des Kunstkonzepts „Merz“, das eine Form der ästhetischen Wahrnehmung ist und darauf zielt, innerhalb der Kunst die Grenze zwischen Kunst und Leben aufzuheben. Sämtliche Ausprägungen der Merzkunst bezeugen die unangepasste, grenzüberschreitende Kreativität des hannoverschen Künstlers und seine offene wie widerständige Geisteshaltung, deren Provokationskraft bis heute spürbar ist.

Kurt Schwitters. Merzkunst. 132 Seiten, 80 Abbildungen; gestaltet von der vielfach ausgezeichneten Grafikerin Marion Blomeyer. Verlag Klinkhardt & Biermann (dt.), Hirmer Verlag (engl.), je 14,90 €; an der Museumskasse und im Buchhandel erhältlich. Die Publikation wurde ermöglicht durch die Kurt und Ernst Schwitters Stiftung und das Sprengel Museum Hannover.