This is Germany

Ein kollektives Experiment von Candice Breitz

 

"This is Germany" (TiG) ist ein kollektives Experiment, initiiert von der Künstlerin Candice Breitz, das den Anspruch hat, die kulturelle und politische Lage Deutschlands zu erfassen. Wer sind "wir"? Wo stehen "wir" gerade als Kulturgemeinschaft? Was beschäftigt "uns"? Was bringt 'uns' zusammen? Was treibt "uns" auseinander? In welcher Art von kultureller Gemeinschaft wollen "wir" existieren? Was ist "Meinungsfreiheit" und wer hat Zugang zu ihr? Wie können "wir" eine Öffentlichkeit aufbauen, in der eine größere Vielfalt an Stimmen gehört und geschätzt wird? Wie können "wir" als kulturelle Gemeinschaft über die begrenzten Bereiche des Museums, des Theaters, der Universität, des Hörsaals, des Seminarraums hinausgehen, um eine diverse Plattform für Gemeinschaft, Kultur, Austausch und sozialen und politischen Wandel zu schaffen?

Im wöchentlichen Rhythmus werden neue Episoden auf Facebook und Youtube veröffentlicht, um all diesen Fragen nachzugehen. Für jede Folge wird eine größere Anzahl von Mitwirkenden gebeten, ihre Gedanken zu einem bestimmten Thema (ein Wort, eine Debatte, ein Rätsel oder ein Phänomen, das in der deutschen Kultursphäre aktuell ist) zu teilen.

Das Sprengel Museum Hannover präsentiert die dritte Folge von „This is Germany“ (TiG-03) zum Thema „Cancel Culture“. Die Folge wird von Reinhard Spieler, Direktor Sprengel Museum Hannover, und Candice Breitz kuratiert.

TiG-03: CANCEL CULTURE

Cancel Culture bezeichnet das Boykottieren von Personen, Organisationen, Veranstaltungen oder Präsentationen, denen beleidigende oder diskriminierende, „politisch unkorrekte“ Aussagen bzw. Handlungen, oder in ihnen zum Ausdruck kommende Haltungen, vorgeworfen werden.

Die einen finden, der Auftritt oder die Präsentation an sich sei bereits aktiver Bestandteil des Machtdiskurses und sollte daher schon unterbunden werden; die anderen meinen, ein Diskurs könne überhaupt erst mit bzw. nach einem Auftritt oder einer Präsentation entstehen und geführt werden. Kann Cancel Culture zu einer „besseren“, „gerechteren“ Gesellschaft beitragen? Oder handelt es sich eher um die Unterdrückung und Diskreditierung bestimmter Meinungen und ihrer Vertreter*innen sowie die Debatten darum ohne wirkliche Legitimation? Wo endet die Forderung und der Anspruch auf Diversität? Obwohl der Begriff Cancel Culture eher für das linksintellektuelle Spektrum verwendet wird, findet das Phänomen ebenso im rechten Spektrum statt: etwa in Forderungen aus dem AfD-Lager, bestimmte Kulturszenen auszutrocknen, oder in der Kulturpolitik der aktuellen Regierungen in Polen, Ungarn, der Türkei oder China. In beiden Lagern sind die Forderungen nach Boykott und Absage meist von einem gefühlten Anspruch moralischer Überlegenheit durchdrungen.

Zahlreiche Fälle haben in den letzten Jahren zu heftigen Debatten und mittlerweile auch zu etlichen Entlassungen geführt. Das Spektrum reicht von der me-too-Debatte (Woody Allen-Biografie, Jon Rafman etc.) über Auftritte von Performern aus dem rechten Spektrum (Axel Krause/Leipziger Jahressausstellung, Lisa Eckhart etc.) bis zu Absagen in vorauseilendem Gehorsam aus Furcht vor vermeintlich unkontrollierbaren Debatten (Feine Sahne Fischfilet/Dessau, Philip Guston/Tate Modern) und hat auch den akademischen Bereich in den Universitäten längst erreicht („Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“).

 

 


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