Eine Kunstausstellung für Kinder
17. September 201927.10.19 BIS 1.11.20
Einblickshalle
Graue Betonbauten und Straßen. Wie sieht eigentlich unsere Stadt aus, und was erzählen uns die Kunstwerke des Museums über die Stadt? Die Ausstellung STADTGESCHICHTEN rückt den Lebensraum Stadt in den Fokus und will sie als Erlebnisraum für Kinder inszenieren. Ausgangspunkt sind Kunstwerke aus der Sammlung des Sprengel Museum Hannover, die Stadtansichten darstellen. In einer 155 Quadratmeter umspannenden raumgreifenden Stadt-Konstruktion in der Einblickshalle des Museums werden Werke von u. a. Niki de Saint Phalle, Horst Antes und Pablo Picasso in eine Installation eingebaut. Dadurch entsteht ein Parcours aus bunten Fassaden und Räumen, der eine Entdeckungsreise durch die verschiedenen Erlebnisräume dieser Stadt im Sprengel Museum Hannover inszeniert.
Fensterblick
Angeregt wurde die Installation von einem der bekanntesten Werke in der museumseigenen Sammlung, Umberto Boccionis Gemälde „La strada entra nella casa“ (Die Straße dringt ins Haus) aus dem Jahr 1911. Das Werk ist während der Laufzeit der Ausstellung STADTGESCHICHTEN in der Sammlungspräsentation „Elementarteile“ im Neubau zu sehen. Im Bildvordergrund blickt eine Frau aus dem Fenster auf eine Stadt. Um den Moment des hier dargestellten ‚von innen nach außen Schauens‘, mit dem eine Stadt entdeckt wird, zu ermöglichen, ist ein Innenraum der Installation mit Fenstern ausgestattet worden. Durch die geöffneten Fenster sind Stadtansichten aus der Sammlung des Museums zu sehen, die auf einer gegenüberliegenden Wand hängen.
Was gibt es alles zu entdecken, wenn man durch ein Fenster auf die Stadt blickt? Eine Straßenszene von Ernst Ludwig Kirchner, eine kubistische Kathedrale von Albert Gleizes, einen Einblick in die Großstadt Berlin von Werner Heldt, Häuserzeilen am Gebirgshang von Pablo Picasso und eine Szene aus dem Hannover der 1920er-Jahre von Erich Wegner. Die Fenster konzentrieren den Blick und fokussieren die Wahrnehmung. An Tischen kann dieser Blick zeichnerisch vertieft werden.
Hochhäuser
Im Mittelpunkt der Installation stehen großformatige Gemälde von Horst Antes, die Wohnblöcke in einfachen, die Leinwände ausfüllenden Formen in einer präzisen architektonischen Struktur darstellen. Ihnen gegenüber stehen diese ‚Häuser‘ nachgebildet dreidimensional im Raum. Sie lassen eine Stadt entstehen, die nicht mehr nur mit den Augen erkundet werden kann. Allerdings ist es eine eher graue und schmucklose Stadt, die den Betonwüsten moderner Städte gleicht, sie zu erfahren, gehört auch im Kinderalltag zur Realität. Die Installation soll dazu anregen, sich über diese Erfahrung Gedanken zu machen, mit Papier, Bleistift und Buntstift Vorschläge zu zeichnen und dabei die eigene Vorstellung von einer Stadt zu entwickeln.
Die bunte Stadt
Begibt man sich weiter durch den Parcours, kommt man in eine bunte Stadt nach Motiven von Niki de Saint Phalle, die sich auf das Kinderbuch „Méchant Méchant (BÖSE BÖSE)“ beziehen. „Es war einmal ein Dorf…“, so beginnt das Bilderbuch von Niki de Saint Phalle. In bunten Bildern werden Kinder vorgestellt, für die die Stadt ein großer Spielplatz ist. Aber eines Nachts kommt „Méchant Méchant“, und alles verändert sich. Er stiehlt den Kindern die Spielsachen, und alle sind sehr traurig. Aber da sind die mutigen Kinder, die sich auf die Suche nach dem wilden Ungeheuer machen. Und am Ende – nach einigen Abenteuern – wird „Méchant Méchant“ ein Bewohner der Stadt. Und so wohnt auch das Monster in der Sprengel-Stadt-Installation in einem bunten Haus und kann dort entdeckt werden.
„Méchant Méchant“ ist 1993 gemeinsam mit Laurent Condominas, dem damaligen Schwiegersohn der Künstlerin, entstanden. Es ist eine Kindergeschichte, die mit ihren Motiven und Darstellungen eine Einführung in die Welt der Künstlerin Niki de Saint Phalle geben kann. Es sind die typisch weichen Formen, die eine bunte Stadt entstehen lassen, in der die Häuser wie Nana-Skulpturen aussehen, jene bekannten großformatigen Frauenfiguren der Künstlerin. Sie erzeugen hier ein Gegenbild zu den Darstellungen von Horst Antes.
Bummelt man weiter durch diese kleine Stadt, begegnet man der Skulptur „Bon appétit (robe mauve)“ von Niki de Saint Phalle in einem Café und geht am Schaufenster der Kunstgalerie vorbei. Dort sind Kleinplastiken von u. a. Henry Moore und Edward Mataré zu entdecken.
Mit dieser Installation soll Kindern die Möglichkeit geboten werden, eigene Vorstellungen und Stadtgeschichten zu erfinden und ihre urbane Lebenswelt spielerisch zu hinterfragen. Denn nicht nur für Stadtplaner*innen stellt sich die Frage: Wie sieht die Stadt aus, in der wir leben wollen?
Die Ausstellung richtet sich an Schulklassen ebenso wie Familien und Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren.
Kuratorin: Gabriele Sand, Sprengel Museum Hannover
