Sascha Weidner, Cache II, 2010, Sprengel Museum Hannover, Niedersächsische Sparkassenstiftung, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover, Courtesy Galerie Conrads, Düsseldorf, © Estate of Sascha Weidner

Sascha Weidner, Cache II, 2010, Tintenstrahldruck, rückseitig kaschiert, Bildmaß: 100 x 100 cm, Blattmaß: 105 x 105 cm, Sprengel Museum Hannover, Niedersächsische Sparkassenstiftung, Foto: Herling, Herling, Werner, Sprengel Museum Hannover, © Estate of Sascha Weidner, Courtesy Galerie Conrads, Düsseldorf

William Eggleston, Ohne Titel, aus dem Portfolio: 14 Pictures, 1974, 1971, Sprengel Museum Hannover, Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung im Sprengel Museum Hannover, Foto: Herling/Herling/ Werner, Sprengel Museum Hannover

William Eggleston, Ohne Titel, aus dem Portfolio: 14 Pictures, 1974, 1971, Dye Transfer, Bildmaß: 31,5 x 47,1 cm, Sprengel Museum Hannover, Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung im Sprengel Museum Hannover, Foto: Herling, Herling, Wernder, Sprengel Museum Hannover

Helga Paris, Ohne Titel, aus: Berliner Kneipen, 1975, Sprengel Museum Hannover, Geschenk der Künstlerin 2013, © Helga Paris
Louise Lawler, Marilyn (Negative), 1991, Sprengel Museum Hannover, Kauf Metro Picture, New York, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover

Louise Lawler, Marilyn (Negative), 1991, Cibachrome/Ilfochrome, Höhe x Breite: 19 x 23,8 cm (Darstellung), Höhe x Breite: 53,5 x 45,8 cm (Blatt), Höhe x Breite: 52,5 x 45 cm (lt. Inv-Buch), Sprengel Museum Hannover, Kauf Metro Picture, New York, Foto: Herling, Herling, Wernder, Sprengel Museum Hannover

Heinrich Riebesehl, Joseph Beuys [Aktion "Kukei, akopee-Nein!, Braunkreuz, Fettecken, Modellfettecken"], Festival der neuen Kunst, Technische Hochschule Aachen, 20.07.1964 , Sprengel Museum Hannover, Archiv Heinrich Riebesehl, Leihgabe Land Niedersachsen, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Heinrich Riebesehl, Joseph Beuys [Aktion "Kukei, akopee-Nein!, Braunkreuz, Fettecken, Modellfettecken"], Festival der neuen Kunst, Technische Hochschule Aachen, 20.07.1964, Bromsilbergelatine, Höhe x Breite: 29,1 x 22,9 cm (Darstellung), Höhe x Breite: 30,4 x 23,9 cm (Blatt), Sprengel Museum Hannover, Archiv Heinrich Riebesehl, Leihgabe Land Niedersachsen, Foto: Herling, Herling, Wernder, Sprengel Museum Hannover, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Wolfgang Tillmans, Faltenwurf, shiny, aus: Sprengel Installation (+4), 2001, Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde, Hannover, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover

Wolfgang Tillmans, Faltenwurf, shiny, aus: Sprengel Installation (+4), 2001, Inkjet-Print, Höhe x Breite: 200 x 137 cm (Blatt), Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde, Hannover, Foto: Herling, Herling, Wernder, Sprengel Museum Hannover

Umbo, Ohne Titel, aus der Reportage "Dr. phil. h. c. Grock", 1928/29, Sprengel Museum Hannover, Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde, Hannover, Foto: Herling, Herling, Wernder, Sprengel Museum Hannover, ©Phyllis Umbehr / Galerie Kicken Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Umbo, Ohne Titel, aus der Reportage "Dr. phil. h. c. Grock", 1928/29, Silbergelatineabzug, Bildmaß: 29,6 x 21,4 cm, Blattmaß: 26,9 x 21,4 cm, Sprengel Museum Hannover, Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde, Hannover, Foto: Herling, Herling, Wernder, Sprengel Museum Hannover, ©Phyllis Umbehr / Galerie Kicken Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Die Anfänge der Arbeit mit der Fotografie im Sprengel Museum Hannover liegen in den 1960er-Jahren. In ihrer Entwicklung spiegelt sie die Geschichte der künstlerischen Emanzipation des Mediums in Deutschland, die hier maßgeblich mitgeschrieben wurde: 1972 gründete Heinrich Riebesehl gemeinsam mit Peter Gauditz, Joachim Giesel und 20 weiteren Hannoverschen Berufsfotograf*innen die Spectrum Photogalerie.

(Als Student von Otto Steinert an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen war Heinrich Riebesehl ein historisch reflektierender Anspruch an das Medium vermittelt worden, der sich nicht zuletzt in der Ausstellungstätigkeit der Bildungseinrichtung wiederspiegelte. Auch hatte er zuvor in der von 1966 bis 1968 in Hannover existierenden Galerie Clarissa assistiert.) Neben nicht-figurativer, experimenteller Kunst war in der von Käthe Schröder betriebenen Privatgalerie auch Fotografie, häufig in Bezug auf das von László Moholy-Nagy in den 1920er-Jahren begründete weite Verständnis des Mediums, gezeigt worden. Für einige Jahre schienen hier erstmals im Nationalsozialismus verschüttete Traditionslinien wieder auf. Aber auch das Interesse der Galerie an der sich in ihren Anfängen befindenden computergenerierten Kunst war beispiellos.

Eingebettet in eine öffentlich geförderte Vereinsstruktur und von ehrenamtlichem Engagement getragen, war die Spectrum Photogalerie eine der ersten deutschen, ausschließlich diesem Medium gewidmeten Ausstellungsplattformen.

Mit der Eröffnung des Kunstmuseum Hannover mit Sammlung Sprengel, heute Sprengel Museum Hannover, fand die Spectrum Photogalerie im Jahr 1979 einen neuen Ort. Zeigte sie anlässlich des Umzugs die erste Nachkriegsausstellung des in Hannover lebenden, ehemaligen Bauhausschülers Umbo, so wurden im Folgenden verstärkt zeitgenössische westeuropäische und US-amerikanische, dokumentarisch-künstlerische Positionen präsentiert.

In den frühen 1980er-Jahren stand die Galerie im engen Austausch mit Einrichtungen wie der Werkstatt für Photographie an der Volkshochschule Berlin-Kreuzberg, dem Studiengang Fotografie an der Folkwang Universität Essen und der sich allmählich herausbildenden internationalen Fotogalerienlandschaft. (Auf diese Weise bot die Spectrum Photogalerie der Debatte um die künstlerische Emanzipation dokumentarisch-fotografischer Konzepte, die inzwischen auch in eigens gegründeten Zeitschriften ausgetragen wurde, einen wichtigen Schauplatz.)

1993 schließlich, zeitgleich mit der Übernahme einer umfangreichen Dauerleihgabe aus der Sammlung Ann und Jürgen Wilde durch das Sprengel Museum Hannover, wurde die Spectrum Photogalerie in eine neu eingerichtete Abteilung für Fotografie überführt. Hatte das Museum bis dahin vereinzelt Künstler*innenfotografie erworben, wurden nun vor allem stilbildende Positionen jenes neuen künstlerischen Dokumentarismus integriert, der sich als Autor*innen-Fotografie in den späten 1960er-Jahren heraus zu bilden begonnen hatte. Die Sammlungstätigkeit dieser Jahre konzentrierte sich vor allem auf US-amerikanische Fotograf*innen und ihnen verwandte bundesdeutsche Positionen. Die Dauerleihgabe der sich im Aufbau befindlichen fotografischen Sammlung des Siemens Arts Program (bis 2004 im Sprengel Museum Hannover), unterstützte dies mit einer ähnlich gelagerten konzeptionellen Ausrichtung.

Darüber hinaus fand in enger Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Galeristen-Paar Wilde eine fortlaufende Auseinandersetzung mit der Fotografie der Moderne statt. Umfangreichen Konvolute von Aenne Biermann, Karl Blossfeldt, Florence Henri, Alfred Ehrhardt, Germaine Krull, Albert Renger-Patzsch und August Sander, um nur einige zu nennen, bildeten dafür die Grundlage.

Seit 1994 würdigt der Spectrum – Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen in regelmäßigem Turnus herausragende fotografisch-künstlerische Positionen. In enger Kooperation mit der Stiftung Niedersachsen werden die Ausgezeichneten – zu nennen sind hier bisher Robert Adams, Thomas Struth, John Baldessari, Sophie Calle, Martha Rosler, Helen Levitt, Bahman Jalali, Boris Mikhailov, Hannah Collins, Rineke Dijkstra und Fiona Tan – in umfangreichen, von monografischen Publikationen begleiteten Präsentationen vorgestellt.

Im Vorfeld der EXPO 2000 entwickelte sich darüber hinaus eine sehr intensive Kooperation mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Sie fand 2016, mit der Übergabe der Sammlung als Leihgabe und der Einrichtung einer Werkstatt für Fotorestaurierung, eine institutionelle Form. Die an das Sprengel Museum Hannover übergebene Sammlung umfasst rund 1.600 künstlerische Fotografien von 35 stilbildenden internationalen Fotografen wie Lewis Baltz, Bernd und Hilla Becher, Paul Graham, Boris Mikhailov, Nicholas Nixon, Martin Parr, Heidi Specker oder Thomas Struth, darunter viele Serien im sogenannten ‚dokumentarischen Stil‘.

Große Ausstellungsprojekte wie How You Look At It (2000), Photography Calling (2011), Plötzlich diese Weite. Werkstatt für Photographie Berlin Kreuzberg (2016, gemeinsam mit dem Museum Folkwang Essen und C/O Berlin) sowie zahlreiche weitere Ausstellungsprojekte und begleitenden Publikationen spiegeln dies wieder.

Im Jahr 2001 übernahm das Sprengel Museum Hannover das mehrere tausend Fotografien und Negative umfassende Archiv des Fotografen Heinrich Riebesehl als Dauerleihgabe des Landes Niedersachsen.

Die internationale und konzeptionelle Weitung des Fokuses über den „dokumentarischen Stil“ hinaus kennzeichnet die Arbeit der folgenden Jahre bis in die Gegenwart. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einrichtung eines speziell klimatisierten Fotodepots und einer eigenen Restaurierungswerkstatt im Jahr 2015.

2016 konnte, gemeinsam mit der Stiftung Bauhaus Dessau und der Berlinischen Galerie und dank der Unterstützung zahlreicher Partnern und Förderer, der Nachlass des Fotografen Umbo erworben werden. Darüber hinaus erweitern Dauerleihgaben wie die der Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde und das Archiv des iranischen Fotografen Bahman Jalali, Schenkungen – wie etwa der Nachlass des Fotografen Sascha Weidner und ein umfangreiches Konvolut der Fotografin Petra Kaltenmorgen – die Bestände. Ihre Erschließung, Pflege, Erforschung und Vergegenwärtigung im Dialog der Künste und die Befragung des Mediums im Hinblick auf sein Vermögen ästhetisch-visueller Zeitgenossenschaft sind die zentralen Aufgaben im Feld der Fotografie am Sprengel Museum. Seit 2017 betreibt das Haus darüber hinaus einen eigenen Blog, der dem Thema der Foto-Theorie im weiteren Sinne gewidmet ist: www.foto-kunst-theorie.de